LEBEN IN FOSFATO

Problematik

Kinder und Jugendliche, welche in Fosfato aufwachsen, bekommen leider schon früh die Nachteile zu spüren, welche für solche Quartiere typisch sind wie:  grober Umgang, Angst, Gewalt, Alkoholismus, Kriminalität, Drogenhandel - und Konsum.

Mit seinen zum Teil schmalen und verwinkelten Gassen eignet sich das Viertel vorzüglich als Versteck vor der Polizei. Bezüglich Grösse ist Fosfato gewiss nicht mit den Favelas von Rio de Janeiro vergleichber; dennoch sind auch hier Schiessereien nichts Aussergewöhnliches. Häufige Opfer sind Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren, welche entweder aus dem Drogengeschäft aussteigen oder selbst Chef sein wollen.

 

Ein Grossteil der Einwohner lebt von Gelegenheitsjobs oder ist arbeitslos. Als wir Fosfato im Jahre 2002 kennen lernten, gingen viele Kinder hungrig zur Schule. Seit der Einführung der Bolsa Familia, welche je nach Familiengrösse momentan (März 2016) zwischen 20 und 80 CHF beträgt, hat sich die Situation verbessert. Doch immer noch kommt es vor, dass Kinder barfuss zur Schule gehen, weil das Geld einfach fehlt.

 

Schulverhältnisse

Die Kinder gehen entweder morgens oder nachmittags zur Schule, Jugendliche auch abends, das heisst etwa vier Stunden pro Tag. Darum fehlt die Zeit für musische Fächer und auch Sport wird selten oder gar nicht angeboten. Die Pause verbringen die Kinder oft in den Korridoren oder Schulzimmern, weil Pausenplätze fehlen.

Die ungenügende Qualität an öffentlichen Schulen ist seit Jahren ein politisches Thema, doch geändert hat sich deswegen nicht viel. Wer es vermag, schickt seine Kinder ohnehin in eine Privatschule, schon ab dem Kindergarten. Doch für Einwohner von Fosfato kommt dies nicht in Frage, denn das Geld muss vor allem für das Notwendigste reichen.

So erhöht sich denn leider nach dem Schuleintritt für viele Kinder aus Fosfato der Stress noch zusätzlich, weshalb sie nach kurzer Zeit jegliche Motivation verlieren. Zudem stellen viele nach dem Übertritt in die fünfte Klasse fest, dass ihr Wissen nicht ausreicht, weil sie  jeweils ohne genügende Kenntnisse befördert worden  waren.  Dies vermindert die beruflichen Chancen der Jugendlichen schon in dieser Etappe erheblich. 

Dass sich diese Situation ändern lässt und sogar ohne grossen finanziellen Aufwand, wird gelegentlich am  Fernsehen gezeigt, wie kürzlich (März 2016) in einer Reportage über eine Schule aus dem Bundesstaat Ceara. Dies deckt sich mit unsern Erfahrungen.

 

Wohnsituation

Verglichen mit dem Jahre 2002, als wir Fosfato kennen lernten, hat sich die Wohnsituation um einiges verbessert. So sind denn die ehemaligen Lehmhütten nur noch vereinzeilt anzutreffen, doch die Wohnfläche ist immer noch knapp bemessen. 

Für viele gehört es zum Alltag, Wasser ins Haus zu schleppen und auch die Dachziegel immer wieder zurecht zu rücken, damit es nicht hineinregnet. 

 

Die folgenden Bilder zeigen eines der Schulhäuser (blau). Danach geht es kreuz und quer durch Fosfato und zum Abschluss sind sogar einige  "vornehme Häuser" mit geplättelten Fassaden zu sehen.